Joe Jackson – Body and Soul

Als Jugendlicher/junger Mann war ich sehr einfach gestrickt. Fußball spielen – egal ob auf den Rheinwiesen in Rodenkirchen, auf dem Asphalt in der Gotenstraße (ja früher ging das noch) oder auf der schwarzen Asche vom TSV Rodenkirchen 06 – fotografieren, wenn ich mal wieder Geld hatte für einen neuen Ilford Schwarz-Weiß Film – und Musik hören ohne Ende.

Audio-Version:

Ein neues Album, was mich fasziniert hatte, konnte mich sogar mal zwei Tage vom Fußballspielen abhalten.

Alles, was ich an Geld entbehren konnte, habe ich umgehend zur größten Plattenshow der Welt am Hansaring gebracht. Es war also die Zeit, wo Saturn noch Saturn war. 😉

An dem Tag, um den es hier geht, hatte mir meine Oma 20 D-Mark zugesteckt. Die Freude war riesig, denn ich hatte mir lange keine Platte mehr kaufen können. Ich benötigte das Geld für Filme für ein Fotoprojekt.

Ich schwang mich also auf mein Fahrrad und fuhr zum Rodenkirchener Bahnhof, um dort mit der Linie 16 bis Barbarossaplatz zu fahren.

Dort stieg ich dann in eine Straßenbahn um, die mich zum Hansa Platz brachte.

Schon auf der Fahrt zum Saturn hatte ich starkes Bauchkribbeln. Dieses Bauchkribbeln hatte ich eigentlich immer, wenn es darum ging, mir eine neue Schallplatte zu kaufen.

Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen konnte war, dass dieser Saturn-Besuch mein musikalisches Leben auf den Kopf stellen würde.

Tom Meurer Fotograf Rolling Stones Sticky Fingers
(c) Andy Warhol, Rolling Stones

Zu der damaligen Zeit waren LPs, das Maß aller Dinge. Covers waren noch Covers. Was meine ich damit? Ich meine damit, dass Covers damals noch richtige Kunstwerke waren. Zu dem Gedankengang möchte ich gerne auf das Cover des Rolling Stone Albums Sticky Fingers hinweisen. Dieses wurde erstellt von Andy Warhol. In der ersten Auflage wurde sogar ein echter Reißverschluss ins Cover eingebaut. Mitte der Achtziger an wurde der nur noch gedruckt.

An diesem Tag wusste ich nicht, welches Album ich mir kaufen sollte BAP, Kiss, AC/DC hatten keine neue Alben, und das war mein Musikgeschmack zu diesem Zeitpunkt.

Ich schlenderte also durch den Saturn und machte das, was ich immer machte, wenn ich nicht wusste, was für eine Schallplatte ich mir kaufen sollte.

Tom Meurer Fotograf Styx Cover
(c) by Styx

Ich wühlte mich durch die endlosen Regale der LPs und schaute mir Covers an. Oft habe ich damals Schallplatten von Bands, die ich nicht ganz so gut kannte nur gekauft, weil das Cover mir sehr gut gefallen hat. Natürlich war das zu 80 % Ausschussware, aber ich fand auch Interpreten, Künstler oder Bands, die ich sonst niemals gehört hätte und die ich richtig geil fand. Als Beispiel möchte ich hier das Album Man of Miracles von Styx anführen.

Man Of Miracles
  • Audio-CD – Hörbuch
  • 17.04.1990 (Veröffentlichungsdatum) – RCA (Herausgeber)

Joe Jackson – Body and Soul

Plötzlich sprang mir ein Cover ins Auge, das ich so noch nie gesehen hatte. Es explodierte förmlich in meiner Fotografen-Seele. Ein Musiker, gedankenverloren, mit einem Saxofon und einer Zigarette in der Hand. Das dieses Cover einem anderen Cover nachempfunden wurde, wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht. Spielt aber auch keine Rolle für diesen Artikel.

Tom Meurer Fotograf Joe Jackson Body and Soul Cover
(c) Joe Jackson

Dieses dunkle Cover mit diesem besonderem Orange. Ich habe eine gefühlte Ewigkeit auf das Cover geschaut. So hat es mich in seinen Bann gezogen. Joe Jackson Body and Soul, diese 5 Wörter brannten sich ein. Ich weiß, man kann (also ich zumindest) dieses Gefühl nicht in Worte fassen. Du musst mir das jetzt einfach glauben. Mit Gänsehaut ging ich zur Kasse und lief so schnell ich konnte Richtung U-Bahn.

Kennst Du die Harry Potter Filme wenn Voldemort in den Kopf von Potter flüstert? Genau so machte es das Album mit mir.
*Flüsterstimme: „Mach mich auf, mach mich auf.“*

Normalerweise war es für mich immer ein Ritual. Vorfreude, zu Hause ankommen, eine neue TDK MA90 ins Nakamichi Tape Deck gelegt, Rec und Pause gedrückt (Quasi die analoge Form eines Backups) ,dann die Platte ganz vorsichtig ausgepackt auf den Thorens gelegt, die Nadel vorsicht aufgesetzt und schnell die Pausetaste gedrückt.

Bis zum Barbarossaplatz war ich standhaft. Aber als ich dann in der 16 Richtung Rodenkirchen saß, konnte ich nicht mehr anders. Die Magie, die diese Platte ausstrahlte, war stärker als ich. Vorsichtig entfernte ich die Folie vom Album. Meine Erregung (anders kann man das nicht ausdrücken) stieg ins unermessliche. Damals wurden Alben Bücher beigelegt. Natürlich keine Wälzer, denn sie mussten ja ins Album passen. BAP hatte das lange Zeit auch gemacht.

Und ich wurde nicht enttäuscht. Ganz behutsam zog ich das Buch raus. Und was da geschrieben stand, verschlug mir fast den Atem. Ich will Euch jetzt nicht mit Details langweilen, zusammengefasst stand aber darin, dass Joe Jackson einen ganz besonderen Sound für das Album im Kopf hatte und er dafür eine Location gesucht hat. Sehr lange gesucht. Er nannte das auch den Grund, warum das Album so lange auf sich warten ließ. Denn Joe Jackson hatte die Nase voll von sterilen Tonstudios wo jeder seinen Part Stück für Stück einspielt. Jackson wollte (und schaffte es ) „Back to the roots“. Seine Band sollte zusammen die Stücke einspielen. So, wie es früher die großen Orchester gemacht haben.

Das was ich da las, ließ mir den Weg vom Chlodwigplatz bis Rodenkirchen Bhf wie eine Ewigkeit erscheinen. Gefühlte 3 Stunden für 17 Minuten Fahrzeit.

Zu Hause angekommen, vergaß ich mein Ritual. Verstärker an (war es du der Zeit noch der Marantz? Egal!), Platte aufgelegt und dann…

Tom Meurer Fotograf Explosion

Was für ein Sound! Verzeih mir den Ausdruck – Ein Ohrenorgasmus der besonderen Art – Was für ein Klangerlebnis! Das hatte ich nicht mal bei dem auch sehr gut produzierten Album der Dire Straits „Brothers in Arms“.

So richtig habe ich von den Songs beim ersten Hören nicht wirklich etwas mitbekommen. Der Sound hatte mich voll in seinem Bann.

Aber dann, aber dann..Ein Album voll mit Hammer-Songs. Von denen aber drei besonders herausstechen:

  • You Can’t Get What You Want (Till You Know What You Want)
  • Happy Ending
  • Be My Number Two

Das Besondere an dem Album

Bis zu diesem Zeitpunkt hörte ich fast ausschließlich Rock. BAP, Kiss, AC/DC, ein paar Songs von Judas Priest und ein wenig Queen waren meine Bands.

Aber mit diesem Album zeigte mir Joe Jackson den Weg zu anderen Musikrichtungen. Denn das Album war geprägt von Jazz, Jazzfunk, Pop und Latin Music. Von diesem Tag an, gab es für mich musikalisch kein halten mehr.

Aber darüber werde ich ein anderes mal schreiben.

Wenn Du das Album noch nicht kennst, möchte ich es Dir wärmstens empfehlen.

Du kannst das ganze Album hier kostenfrei anhören.

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Mit Herz und Seele,
Tom

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